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06. April 20

Den Wahrnehmungsverzerrungen auf der Spur

Wir sollten anfangen, Fehleinschätzungen zu korrigieren.

"Musst du jetzt in eine eiserne Lunge?", fragte mich sorgenvoll ein guter Freund, als ich ihm erzählte, dass ich positiv auf Covid-19 getestet sei. Fast immer erntete ich als erste Reaktion ein heftiges Erschrecken auf diese Nachricht, die sich für mich, wie ein Geständnis, ja fast schon wie eine Beichte anfühlte.
Ich war einerseits niedergeschlagen, als ich das Testergebnis (amtlich krank) bekam, andererseits aber auch erleichtert, denn diese Information beendete meine Ungewissheit und gab dem quälenden Husten (kein Fieber) eine Ursache.

Reden wir über Corona, denken wir an Bilder der gestapelten Särge in Bergamo oder an die Bahren der Kranken in den überfüllten Gängen der spanischen Hospitäler. Sind das repräsentative Abbilder der Wirklichkeit? Jeder Infizierte ist eine Gefahr für die Mitmenschen und gehört 14 Tage in Quarantäne. "One size fits all" - ist diese Entscheidung wirklich die beste Strategie, um beispielsweise Immunität bei 60 Prozent der Gesellschaft zu erreichen?

Der Dax mit fast 14.000 Punkten war ein Produkt der Phantasien und nicht ein Spiegel der realen Unternehmenswerte. Die "Sensationsbilder", die uns auf den Bildschirm gezoomt werden, zeigen nur einen Ausschnitt der Realität. Und sie mobilisieren Ängste. Angst vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, Angst vor dem Sterben, Angst vor der Überwachung oder die Angst vor dem ökonomischen shutdown. Emotionen wie die Angst werden so schnell im Gehirn weitergeleitet, dass sie unsere Wahrnehmung, das Denken und letztlich das Handeln massiv beeinflussen. Sind Hamsterkäufe zu Toilettenpapier das Ergebnis von rationalen Entscheidungen? Sicherlich nicht, die Vernunft wird von der Angst, von der Panik übersteuert.

Mehr als 80 Prozent aller Covid-19 Infektionen verlaufen überhaupt nicht dramatisch, sondern wie eine ärgerliche Grippe. Diese Informationen verblassen angesichts der Dominanz der eindrucksvollen Bilder. Daniel Kahnemann hat in seinem Buch "Schnelles Denken, langsames Denken" sehr schön beschrieben, wie Wahrnehmungsverzerrungen zu falschen Entscheidungen führen.

Die Chance liegt jetzt darin, diesen Mechanismus deutlich zu erkennen. Er wirkt nicht nur in der Krise, er ist hier jedoch besonders gut zu beobachten. Es gibt viele Hinweise im Netz, die helfen, Verzerrungen der Wahrnehmung zu entdecken. Der wirkungsvollste Hebel ist die Wachsamkeit. Werden Sie wie Nick Knatterton zum Detektiv und checken Sie die ausgewählten Informationen, die Interpretationen und den Einfluss der Emotionen, bevor Sie Schlussfolgerungen ziehen und entscheiden. So können Sie Fehleinschätzungen rechtzeitig korrigieren. Erlauben Sie sich zu schmunzeln, wenn Sie die eine oder andere Verzerrung entdecken. Sie gehören dazu, sie sind part of the game.

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