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28. März 23

Findet in Start-up Unternehmen überhaupt noch Strategie statt? - Und ob!

Im typischen Sprachgebrauch von Start-ups findet der Strategiebegriff kaum noch Verwendung. Heißt das, dass Strategie für Start-ups obsolet geworden ist?

Schließlich steht für diese Unternehmen doch meist die pragmatische Entwicklung konkreter Lösungen und Produktideen im Vordergrund, oft mit agilen Methoden. Es geht um das Ausprobieren von Prototypen, schnelles Scheitern und Iterieren, die Passung von Marktanforderungen und Produktdesigns. Smarte Geschäftsmodelle rücken in das Zentrum der Aufmerksamkeit, die auf schnelles Wachstum angelegt sind und Investoren hohe Bewertungsmultiplikatoren auf jedwede Leistungskennziffer versprechen. Oder doch nicht?

Wir betrachten die Sache differenzierter. Wir denken, die oben genannten Charakterisierungen allein werden erfolgreichen Start-up Unternehmern und ihren Investoren nicht gerecht. Wir sehen die dort verbreiteten Denkweisen, Methoden und Praktiken von einer strategischen Grundhaltung durchdrungen von der die Unternehmenslandschaft insgesamt profitieren und lernen kann. Wie passt das zusammen?

Schon das Diktum Schumpeters von der schöpferischen Zerstörung, denn nichts anderes meint Disruption, zielt auf Perspektivwechsel, das Neuansehen und Neudenken bekannter Probleme. Der schumpetersche Unternehmer wagt sich an mutige Zukunftsentwürfe, übersetzt sie in unternehmerisches Handeln, sorgt für Musterunterbrechung.

Eine strategische Grundhaltung nimmt ein, wer sich um Zukunft kümmert, als neu zu denkenden Entwurf und nicht nur als Extrapolation des Bekannten. Ebenso denkt und handelt strategisch, wer daraus Entscheidungen und Unterscheidungen ableitet als orientierenden Kompass und der bei aller Agilität und Freude am Umkehren (Pivot) die Richtung, wie sie Purpose, Vision und Ziele weisen, nicht aus dem Blick verliert. Stratege ist aber auch, wer Freude aus dem engagierten und wirksamen Ringen um Zukunft schöpft.

Die Herausforderungen unserer Zeit rufen nach Unternehmen, die mit einem strategischen Habitus Schöpferisches ins Werk setzen und Technologien, Lösungen und neue Modelle des Wirtschaftens in die Welt tragen. Gerade Start-up Unternehmen treten häufig mit diesem Anspruch der Musterunterbrechung und Umkehr an, das Risiko des Scheiterns eingeschlossen.

Zur Kultivierung einer strategischen Grundhaltung eignet sich auch der bewährte Lean Strategy Ansatz der osb international: Strategie als zukunftsfähiger Kompass, der wirksames Handeln ermöglicht und dabei offen ist für Ausprobieren, Lernen und Umkehr.

Zur Vertiefung:

Maik Arensmann, Walter Dietl, Katrin Glatzel, Tania Lieckweg: Werkzeugkiste (58) Lean Strategy, in: ZOE Zeitschrift für Organisationsentwicklung, Heft 1, 2019, S. 94-99

Maik Arensmann, Tania Lieckweg: Strategie und Start-ups, eine Studie zur Strategiearbeit in Start-ups 

 

 

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