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11. November 25

Expert Leadership – mit Fachwissen zur Führung

In unserer Beratungspraxis begegnen uns immer häufiger Organisationen, die ihre Handlungsfähigkeit in hochkomplexen Märkten sichern müssen – und dabei auf die Qualifizierung und aktive Einbindung von Expert*innen in Entscheidungsprozesse setzen.

Besonders eindrücklich zeigt sich dies am Beispiel eines weltweit tätigen Robotik-Unternehmens, für das wir ein internationales Expert-Leadership-Programm entwickelt haben und das wir nun im dritten Jahr begleiten. Ziel des Programms ist es, ausgewählte Expert*innen aus den unterschiedlichen Fachrichtungen der Organisation über die besonderen Kompetenzen ihres Fachgebiets hinaus zu "Expert Leaders" zu entwickeln und untereinander zu vernetzen, um das Management als Komplementär bei Entscheidungsfindungen zu unterstützen.

Expert Leadership verstehen wir in diesem Kontext als die Fähigkeit, anderen in komplexen Entscheidungssituationen Orientierung zu geben – indem Wissen in Handlungsoptionen übersetzt, Interpretationen begleitet und der Austausch über Fach- und Funktionsgrenzen hinweg gestaltet wird.

Die Verbindung von Fachwissen und Leadership ist kein Selbstläufer. Expert*innen agieren hier als zentrale Brückenbauer zwischen spezifischer Expertise und den strategischen Zielbildern einer Organisation. Sie schaffen Orientierung, indem sie komplexe Inhalte in anschlussfähige Entscheidungsoptionen übersetzen. Damit stärken sie nicht nur die Qualität der Entscheidungen, sondern auch deren Legitimität im organisationalen Gefüge.

Was sind die praktischen Implikationen für Organisationen? Aus unserer Erfahrung und gestützt durch die Forschung lassen sich drei zentrale Handlungsfelder ableiten:

  1. Dualen Laufbahnen Raum geben
    Organisationen sollten Karrierepfade entwickeln, die fachliche Exzellenz und Führungsverantwortung als gleichwertig anerkennen, gezielt fördern und vernetzen. So können Expert*innen auch ohne formale Hierarchie ihr Fachwissen gezielt in Entscheidungsprozesse einbringen.
  2. Ambidextrie fördern
    Wirksame Expert*innen zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, je nach Situation zwischen der Fach- und Führungsrolle zu wechseln. Qualifizierungsprogramme, die Entscheidungsarchitekturen vermitteln, Reflexion über Rollenkonflikte ermöglichen und kollegiale Beratung fördern, sind hierfür entscheidend.
  3. Strukturelle Einbindung gestalten
    Komplexe Entscheidungen profitieren von transparenten Entscheidungslogiken, klaren Schnittstellen und partizipativen Foren. Expert*innen werden so nicht nur "ad hoc" hinzugezogen, sondern systematisch in strategische Entscheidungsprozesse eingebunden – was die Qualität, Geschwindigkeit und Akzeptanz von Beschlüssen deutlich erhöht.

Aus unserer Sicht sind Expert*innen integrale Akteure im Netzwerk organisationaler Kommunikation. Ihre Wirkung entfaltet sich nicht durch ein Mehr an Wissen, sondern durch ihr Vermögen, Anschlussfähigkeit zwischen Fachlogiken, organisationalen Zielen und den Erwartungen der Stakeholder herzustellen. Leadership wird damit zur geteilten Ressource: Sie verteilt sich über Rollen, Kontexte und Situationen hinweg.

Die Balance von Expertise und Leadership ist eine bewusste Gestaltungsaufgabe. Organisationen, die Expert*innen gezielt zu Expert Leaders qualifizieren, strukturell einbinden und deren ambidextre Kompetenzen fördern, erhöhen ihre Entscheidungsfähigkeit in komplexen Umwelten erheblich.

Unsere zentrale Einladung lautet: Schaffen Sie Entscheidungsräume, in denen Expertise und Leadership nicht voneinander entkoppelt agieren, sondern sich gegenseitig verstärken, um so die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Knippenberg, De Dreu, Mumford (2023): Balancing expertise and leadership: How experts contribute to organizational decision-making in complex environments. In: The Leadership Quarterly

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