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26. Februar 13

Strategie und Vertrauen.

„Alles Reden ist sinnlos wenn das Vertrauen fehlt“ – Franz Kafka

Immer wieder begegnet uns das Thema Vertrauen in unserer Arbeit mit Führungskräften und Organisationen. Aber was heißt das eigentlich? Und warum ist es wichtig? Kann man Organisationen vertrauen? Wie entsteht Vertrauen in Organisationen und wie wird es zerstört? Welche Bedeutung hat Vertrauen für die Zukunftsfähigkeit einer Organisation? Diese Fragen wurden am 15. Februar im Rahmen eines osb-Dialogs in einer Runde von 20 befreundeten Beraterinnen und Beratern im Berliner Office diskutiert.

Vertrauen ist bekanntermaßen einer der zentralen Aspekte in der Sicherung von Kundenbeziehungen: So macht die Deutsche Bank es sich zur Aufgabe, in 2013 das verlorene Vertrauen ihrer Kunden und Märkte zurückzuerobern (Anshu Jain im Handelsblatt am 1.1.2013). Die HypoVereinsbank schreibt mit Blick auf die eigene Strategie: „Das Vertrauen unserer Kunden ist
Voraussetzung für unsere Zukunftsfähigkeit.“ (http://about.hypovereinsbank.de/de/nachhaltigkeit/leitlinien/[25.2.2013]). Wie fragil in Zeiten grenzüberschreitender Produktionsprozesse und widerkehrender Skandale das Vertrauen der Verbraucher in die Lebensmittelindustrie ist, soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden... Der Soziologe Niklas Luhmann bezeichnet Vertrauen als „die Strategie mit der größeren Reichweite“. Und wer die größere Reichweite hat, das weiß jeder, der schon einmal mit dem Managementteam eines Internetunternehmens zu tun hatte, der gewinnt.

Doch nicht in erster Linie die nach außen gerichteten Strategien von Organisationen zum Aufbau und zur Erhaltung von Vertrauensbeziehungen haben uns in unseren kollegialen Diskussionen und Gesprächen in der osb Berlin beschäftigt. Wir haben uns vielmehr gefragt, welche Bedeutung Vertrauen als Ressource im Führungskontext hat. Dabei ist schnell deutlich geworden, dass Vertrauen von entscheidender Bedeutung sowohl auf der Ebene der Führungsmannschaft als auch im Zusammenspiel zwischen Führung und Mitarbeitern ist. Warum das so ist? Vertrauen ist ein ganz wesentlicher Mechanismus der Reduktion von sozialer Komplexität (Luhmann 1973). Wechselseitiges Vertrauen erleichtert die Zusammenarbeit ungemein. So spielt Vertrauen auch in der Strategiearbeit eine wichtige Rolle. Die Mitglieder des Managementteams, welches unmittelbar mit der Arbeit an der Strategie befasst ist, müssen darauf vertrauen, dass alle Beteiligten die relevanten Informationen und den aktuellen Stand der Überlegungen aus ihren Geschäftsbereichen in den Prozess einspeisen. Auch müssen die Beteiligten das Vertrauen aufbringen, welches auch konträre und konflikthafte Themen gut bearbeitbar macht. Die Mitarbeiter müssen darauf vertrauen, dass die Führung mit Blick auf die große Linie die richtigen Entscheidungen treffen wird. Und die Führung wiederum muss darauf vertrauen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das, was mit Blick auf ebendiese große Linie an kleinen Schritten, an Prozessen und Strukturen vereinbart und eingeführt wurde, auch gelebt wird. Am Ende geht es eigentlich immer um eines: Um das gemeinsame Vertrauen aller Beteiligter darauf, diese Organisation in eine erfolgreiche Zukunft führen zu können und zu wollen.

Die Frage danach, wie eine solche zukunftsfähige Vertrauenskultur in Organisationen etabliert werden kann, was ihr Nährboden ist, wie es gelingen kann, sie dauerhaft zu hegen und zu pflegen, lässt sich nicht in wenigen Sätzen und auf die Schnelle beantworten. Im Ausklang unseres Tages rund um den Begriff des „Vertrauens“ sind wir zu dem Schluss gekommen: Allein die aktive Beschäftigung mit dem Thema bringt eine Organisation einer echten Vertrauenskultur schon drei Schritte näher.

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