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27. Januar 14

Porter und die Akzeptanzkrise des Kapitalismus

In seinen neuesten Artikeln setzt sich Michael Porter kritisch mit einer zu engen betriebswirtschaftlichen Perspektive der strategischen Ausrichtung vieler Unternehmen auseinander. Kurzfristige Kostenminimierung, Downsizing und Outsourcing, Konsolidierung ganzer Branchen und die Kurzfristigkeit der Ertragserwartungen haben nicht zu nachhaltigem Wachstum und Innovation geführt. Vielmehr ist das kapitalistische Wirtschaftssystem mit einer erheblichen Akzeptanzkrise in den entwickelten Gesellschaften konfrontiert.

Für Porter sollten sich Unternehmen mit einem grundsätzlich neuen Konzept, das er Shared Value nennt, intensiv auseinandersetzen, um wieder eine höhere Akzeptanz  bei breiten Kreisen der westlichen Bevölkerung zu gewinnen.

Shared Value ist ein Ansatz, in dem die Unternehmenspolitik und –praxis die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens stärkt, in dem die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen, in denen ein Unternehmen agiert, mitberücksichtigt werden. Dies bedingt neu durchdachte Geschäftsprozesse, den Einsatz neuer Technologien und eine neue Art mit anderen zu konkurrieren. Im Unterschied zu CSR ist diese shared value creation Teil des Kerngeschäfts des Unternehmens.

Porters Konzept fokussiert auf vier zentrale Ansatzpunkte:

  • Neuerfindung der Produkte und Märkte des Unternehmens: Bei der Ausgestaltung von Produkten und Dienstleistungen werden aktiv gesellschaftliche Bedürfnisse mitberücksichtig – wie die Auswirkungen der Produkte des Unternehmens auf die Umwelt,  die Sicherheit der Beschäftigten und der lokalen Bevölkerung, die gesundheitlichen Implikationen sowie Bildungsaspekte.

  • Reformulierung der Wertschöpfungskette: Das Konzept des CSV überprüft die Value Chain eines Unternehmens auf die Auswirkung und Passung auf ihre gesellschaftlichen Bedingungen.

  • Entwicklung lokaler Cluster: Starke Cluster vor Ort oder in der Region beeinflussen die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens vielfältig.

  • Stärkung eines breiteren sozialen und wirtschaftlichen Kontextes: Wenn sich Unternehmen bei der Entwicklung positiver gesellschaftlichen Rahmenbedingungen engagieren, kann dies auch auf die Rahmenbedingen des eigenen Geschäfts positiv zurückwirken. Dies können beispielhaft im Sozialbereich Initiativen im Gesundheitssystem oder bei der Bildung benachteiligter Bevölkerungsgruppen sein.

Solche Ansatzpunkte und Interventionen können nach Porter die Produktivität und Wirtschaftlichkeit des Unternehmens positiv beeinflussen und dadurch die Basis für eine shared value creation in anderen Bereichen stärken. Im Kern geht es für Porter in diesem CSV-Konzept darum, eine Entwicklung anzustoßen und zu gestalten , die sowohl den Unternehmenserfolg fördert als auch einen gesellschaftlichen Nutzen stiftet.

Der Sinn dieses Konzeptes liegt darin, die Rolle eines Unternehmens in der Gesellschaft grundsätzlich neu zu denken. Dies ist für Porter kein philanthropischer Zugang, da CSV neue Dimensionen der Wertschöpfung für ein Unternehmen erschließt. Wenn Unternehmen als Unternehmen und nicht als wohltätige Organisationen agieren (wie in CSR), so ist das für Porter wohl die stärkste Kraft, viele der brennenden Themen unserer Gesellschaft erfolgsversprechend anzugehen.

CSV könnte für Porter eine nächste Welle der Innovation, der Produktivitätssteigerung und des Wachstums der globalen Wirtschaft anstoßen. Eine solche grundsätzliche Transformation von Unternehmen in Richtung CSV erzeugt Sinn für ein Unternehmen und das kapitalistische Wirtschaftssystem als solches. Nur so besteht die Chance, die Geschäftstätigkeit kapitalistischer Unternehmen gegenüber der Bevölkerung zu legitimieren und so neu zu erfinden.

Zum Nachlesen:

  • Porter, M.E. and Kramer, M. (2011): How to Fix Capitalism and unleash a new wave of growth. In: Harvard Business Review, January-February 2011, S. 1 – 21.

  • Porter et. Al. (2012): Measuring Shared Value. How to Unlock Value by Linking Social and Business Results (Quelle: www.fsg.org).

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