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10. Juli 13

Gegenwärtige Zukunft und zukünftige Gegenwart: Kurz vor der Sommerpause

Vor einigen Tagen hatten wir im Kreise der Kollegen erneut die Gelegenheit, die hier schon häufiger behandelte Frage weiter zu verfolgen, was man von Niklas Luhmann über Strategie lernen kann. Ausgangspunkt unserer Diskussion war die Frage nach dem Verhältnis von „gegenwärtiger Zukunft“ und „zukünftiger Gegenwart“.

In unserem Verständnis von Strategiearbeit muss für dieses Verhältnis eine gesunde Balance gefunden werden und man kann sich das Verhältnis etwas vereinfacht so erklären: Kurz vor der Sommerpause hat man oft nur noch die Energie, sich vorzustellen, wie es in ein paar Wochen in den Bergen, am Meer oder auf der Reise sein wird. Die gute Luft, das besondere Licht oder die Abwechslung der verschiedenen Reisestationen ist greifbar nahe, aber sie liegen doch noch in der Zukunft. Allerdings ist dies eine Zukunft, die in der Gegenwart gut vorstellbar und somit „vorhersagbar“ ist: die Luft wird wieder herrlich sein, das Meer besonders erfrischend und die Abenteuer noch grösser als im letzten Jahr. Sehr viel schwieriger wird es, sich vorzustellen, wie wir in 15 Jahren den Sommer verbringen werden. Denn wer hat schon 1998 die Hotels im Internet gebucht, Fotos und Gästebewertungen online geprüft? Die meisten von und werden ganz klassisch mit einem Reiseführer (dieses Buch mit vielen Bildern und hilfreichen Telefonnummern) unterwegs gewesen sein.

Wie werden wir also in 2028 unterwegs sein? Dies ist eine Frage nach der zukünftigen Gegenwart, die viel schwieriger zu beantworten ist! Und wenn man sie aus der Sicht eines Reiseveranstalters im Rahmen eines Strategieprozesses zu beantworten hat, wird das Ganze noch schwieriger: Reisen wir dann nur noch in Programmen, die sich auf unseren Brillen runterladen lassen? Und welches Geschäft bleibt dann für einen Reiseveranstalter? In einer wirksamen Strategieentwicklung müssen sowohl Fragen in Bezug auf die gegenwärtigen Zukunft als auch auf die zukünftige Gegenwart gefunden werden. Was aber, wenn sich die Zukunft immer schneller verändert, oder wie Luhmann formuliert: „Das Problem, mit dem Organisationen sich konfrontiert finden, ist die in einem atemberaubenden Tempo ständig reproduzierte Unbestimmtheit der Zukunft und darauf müssen sie durch Entscheidungsfähigkeit und durch vertikale Integration ihrer eigenen Entscheidungsprozesse reagieren“ (Luhmann 2000: 416). Das heißt dann, dass in der Strategiearbeit Entscheidungen in der Gegenwart getroffen werden müssen, mit denen man versucht, die Zukunft mit zu bestimmen, obwohl man weiß, dass es diese Zukunft nie geben wird. Da ist es doch einfacher, sich zu überlegen, wie man den nächsten Urlaub verbringen wird!

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