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27. Februar 18

Führungsfeedback goes virtual

In der letzten Zeit haben sich bei mehreren Projekten virtuelle Informations- und Coachingformate in der Begleitung von Führungsfeedback-Befragungen bewährt: Skype-Konferenzen, Web-Coachings und Webinare haben dazu beigetragen, den Zeit- und Reiseaufwand in der Verarbeitung der Ergebnisse zu verringern bzw. eine globale Skalierung solcher Projekte überhaupt erst zu ermöglichen.

Vorweg: Warum überhaupt Führungsfeedback?

Je nach Anlass bieten wir Führungsfeedback in drei unterschiedlichen Formaten an:

  • bei individuellem Reflexionsbedarf, z.B. im Rahmen von Coachings oder zur Karriereentwicklung
  • als Begleitung von Leadership Development Programmen
  • als unternehmensweite Befragung zur Bestandsaufnahme der Führungskultur oder zur Überprüfung bestehender Führungsleitlinien

In all diesen Formaten eröffnet Führungsfeedback mehr als nur eine persönliche Reflexionsgelegenheit zum eigenen Führungshandeln: es liefert auch einen Anlass zum Dialog mit den Mitarbeitenden zur Vertiefung und Konkretisierung der Rückmeldungen sowie zur Vereinbarung von Maßnahmen zur Optimierung der Kommunikation und Zusammenarbeit. Eine gemeinschaftliche Teilnahme am Führungsfeedback unternehmensweit oder im Rahmen von Leadership Development Programmen ermöglicht zudem eine Auseinandersetzung und Verständigung über Führungskompetenzen, -qualitäten und -stile. Das Führungssystem vergemeinschaftet damit seine Vorstellungen und Überzeugungen von Führung und stärkt seine Wirksamkeit durch größere Konsistenz des Führungshandelns.

Und dann: Was macht Führungsfeedback wirksam?

Um diese Verständigungs- und Veränderungspotenziale zu realisieren, braucht es ein festes Commitment der Feedbackempfänger: sie sollten die Befragungsergebnisse in ihrer Differenziertheit verstehen, sie in Bezug zu ihrem individuellen Führungskontext setzen sowie ein aktives Interesse am weiteren Dialog mit den Feedbackgebenden zeigen.

Diese drei Voraussetzungen unterstützen wir durch

  • umfassende Vorab-Orientierung, z.B. durch Informationsschreiben, Intranet-Sites mit FAQs oder Vorbesprechungen mit den beteiligten Führungskräften als Feedbackempfänger
  • individuelle Rückmeldegespräche zur Erläuterung der Feedbackergebnisse und zur Ableitung von Folgerungen für das eigene Führungshandeln
  • Beratung zur weiteren Vertiefung und Verarbeitung der Feedbackergebnisse mit den Feedbackgebenden: den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem oder der Vorgesetzten sowie bei 270-Grad-Feedbacks auch Kolleginnen und Kollegen auf der gleichen Führungsebene

Sofern diese Vorbereitung, Rückmeldung und Beratung nicht im persönlichen Dialog, z.B. im Rahmen eines Leadership Development Programms integriert werden kann, erfordert sie erheblichen Koordinations- und Reiseaufwand.

Die Perspektive: Virtuelle Kommunikations- und Beratungsformate

Zur Vorbereitung eines unternehmensweiten Führungsfeedbacks bei der BTC AG mit über 40 Führungskräften an verschiedenen Standorten in Deutschland nutzten wir vorhandene Meetings der beteiligten Führungskreise, um im Rahmen einer Präsentation via Skype-Zuschaltung mit Screensharing über den Zweck und Ablauf der Befragung zu informieren. Anschließend wurden Verständnis- und Klärungsfragen im Gespräch beantwortet. Dies erwies sich als sehr effektiv, weil wir zum einen gezielt auf individuelle Fragen und Bedenken eingehen konnten, zum anderen aber auch die übrigen Besprechungsteilnehmer mit einheitlichen Informationen versorgen konnten. Insgesamt sicherte dies eine notwendige Voraussetzung für die erfolgreiche Ersteinführung des Feedback-Instruments, wie die Projektleiterin und HR-Seniorreferentin Jannetta Cichon betonte: "Das Commitment des gesamten Führungssystems ist entscheidend für die Wirksamkeit dieser Bestandsaufnahme". Die Webkonferenzen trugen wesentlich dazu bei, ein gemeinsames Verständnis der Maßnahme und ihrer internen Erfolgsfaktoren zu schaffen.

Die persönliche Erläuterung der Feedbackergebnisse im gleichen Projekt fand nur dann face-to-face statt, wenn sich mehrere solcher Rückmeldegespräche pro Tag am gleichen Ort koordinieren ließen. In allen anderen Fällen vereinbarten wir Telefonate oder individuelle Skype-Besprechungen mit Screensharing, die zwischen 60 und 90 Minuten in Anspruch nahmen. Diese Gesprächsformate boten den Beteiligten große Flexibilität hinsichtlich des Ortes und Zeitpunktes - viele Gespräche wurden außerhalb der üblichen Dienstzeiten und/oder aus dem Heimbüro geführt. In einem anderen Führungsfeedback-Projekt für das globale Leadership Excellence Programm der Ivoclar Vivadent AG war es zeitlich und logistisch nicht möglich, die Rückmeldegespräche mit 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern persönlich zu führen, da das Online-Instrument erst nach Abschluss des Programms eingesetzt werden konnte. In diesem Fall boten wir kurz nach dem Versand der individuellen Ergebnisberichte ein zweistündiges Webinar an, um die Interpretation der Ergebnisse an Beispielen zu erläutern und Anleitungen zum nachgehenden Dialog mit den Feedbackgebenden zu vermitteln.

Zur Vorbereitung auf Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, mit dem eigenen Team sowie der nächsthöheren Führungskraft versandten wir vorab separate Leitfäden, die wir im Webinar näher erläuterten. Dabei gingen wir auf individuelle Nachfragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, was bei Teilnehmergruppen zwischen 10 und 20 Personen gut möglich war. Insgesamt wurden vier Webinare zu verschiedenen Tageszeiten durchgeführt, um die Zeitzonendifferenzen zwischen Nord- und Lateinamerika, Europa und Asien zu berücksichtigen. Das Fazit des Projektverantwortlichen Dr. Andreas Brucculeri, Head of HR Competence Center OD/PD: "Die Veranstaltungsreihe ist gut angekommen. Die Bereitschaft [des Trainers], eine Session aufnehmen zu lassen, bietet auch den nicht anwesenden Teilnehmern die Möglichkeit, diese Erfahrung nachzuholen."

Conclusio

Die erprobten virtuellen Kommunikations- und Coachingformate bilden eine vielversprechende Erweiterung unseres Beratungsrepertoires zur Begleitung von Führungsfeedback, zumal die Vertrautheit mit virtuellen Besprechungsformen und -medien stetig zunimmt. Wir freuen uns auf mehr! 

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