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02. Dezember 13

»Erfolg und Scheitern in der Strategie-Umsetzung«

Oft werde ich gefragt: „Wie erfolgreich sind ihre entwickelten Strategien in der Umsetzung? Ist es nicht so, dass kaum eine Strategie wirklich umgesetzt wird?“

Für mich gibt es zwei Betrachtungsweisen von Strategie, die sich grundlegend unterscheiden:

Die eine Betrachtungsweise geht davon aus, dass Vorausschau und Erwartungen so etwas sind wie die Konstruktion einer Maschine, die ein bestimmtes Produkt liefern soll und deren Endergebnis etwas darüber aussagt, wie gut die Pläne waren und ob es sich gelohnt hat, diese Pläne zu entwerfen. Oder wie das Steuern eines Schiffes, das auf ein bestimmtes Ziel und eine bestimmte Route ausgerichtet wird und dann den Hafen anläuft – über alle Stürme und Untiefen des Meeres hinweg.

Erfolg heißt Einhaltung des Planes, Scheitern heißt entsprechend jede Abweichung vom Plan.

Strategieentwicklung und -umsetzung nach diesem Verständnis würde bedeuten, das Zielbild herauszuarbeiten und den Weg dorthin einschliesslich Zeitplan festzulegen. Gefragt wären vor allem Experten, die das technische Know How mitbringen, das Ziel zu erfinden und die Methoden der Erreichung anzuwenden.

Die andere Betrachtungsweise geht davon aus, dass bei Organisationen ein heute kalkuliertes Endergebnis oder kalkuliertes Ziel in der Zukunft nicht als fixe Gestalt in Zeit und Raum angesehen werden können. Die Umgebungsbedingungen des Marktes ändern sich mit jedem Tag und das Unternehmen selbst ändert sich – bedingt durch interne und äußere Faktoren permanent. Es ist ein beweglicher Zielkorridor, der angepeilt wird und es ist ein sich ständig veränderndes Organisationsgebilde mit volatiler Manövrierfähigkeit, das dieses Ziel erreichen will.

Erfolg heißt hier manövrierfähig und beweglich bleiben, um das Ziel anzusteuern, das gleichzeitig auf dem Weg immer neu definiert werden muss. Scheitern würde heißen, starr zu werden und einen Zielort zu erreichen, der keinen Sinn mehr macht und die Überlebensfähigkeit gefährdet.

Wozu dann noch Strategieentwicklung könnte man hier fragen? Strategieentwicklung in diesem Sinn würde genauso ein Zielbild festlegen und den Weg zur Erreichung des Zieles beschreiben. Allerdings würde als Erfolgskriterium gleichzeitig ein System implementiert werden, das die notwendigen strategischen Anpassungen vornimmt und die gemachten Pläne überarbeitet.

Aus unserer Sicht, die der zweiten Betrachtungsweise von Organisation und Strategie entspricht, wird für diese Metasteuerung der Kreis der Führungskräfte benötigt, die sich diese Art der Strategie-Arbeit zur Aufgabe machen. Sie müssen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen ständig unter Beobachtung halten und immer wieder Überarbeitungen vornehmen, um auf einem erfolgreichen Weg zu bleiben. Je nach Unternehmen werden dafür andere Sozialarchitekturen erforderlich sein.

Bei der Entwicklung der Strategie durch das Führungssystem selbst ist die erlernte und eingeübte Kompetenz dieser Art der gemeinsamen strategischen Steuerung des Unternehmens ebenso wichtig wie die Inhalte der Strategie. Denn nur diese Kompetenz verschafft dem Unternehmen die notwendige Agilität zur angemessenen Bewegung in den Märkten und zur raschen und permanenten Iustierung des Zielkorridors.

Dazu gehört allerdings auch die Neudefinition des Begriffes des Scheiterns. Denn in diesem Kalkül ist das Scheitern Teil des Weges – und es stellt kein Problem dar, dass unsere heute gemachten Vorstellungen morgen an den eigenen tatsächlichen Möglichkeiten oder den Umweltbedingungen gescheitert sind. Denn die Überarbeitung des Strategieweges gilt als der Normalfall.

Noch einmal zur Eingangsfrage: Wie erfolgreich sind die entwickelten Strategien? Meine Antwort wäre: Die Strategie, die ich heute mache, ist nie erfolgreich – erfolgreich ist das Unternehmen, das seine Überlebensfähigkeit durch bewusste Prozesse steigert und die notwendigen Veränderungsprozesse systematisch überarbeitet und steuert.

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