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01. Oktober 19

Agil arbeiten und Identität wahren!?

Die Digitale Transformation erfasst Individuen und Organisationen in bisher nicht gekanntem Ausmaß. Identität und Identifikation im Arbeitsumfeld werden in Frage gestellt, die Privatsphäre kann durch die Digitalisierung ebenso transparent werden wie die informellen Interaktionen in Organisationen. Zudem erfährt unsere Lebens- und Arbeitswelt durch Big Data eine Quantifizierung, was zur Verdichtung und Kontrolle und damit zum Verlust von Gestaltungsraum führen kann.

Daher stellt sich die Frage, wie es in agilen Arbeitsumfeldern gelingen kann, die eigene Identität mit der nötigen Stabilität zu bewahren und sie gleichzeitig mit der gebotenen Flexibilität weiter zu entwickeln? Wie vermag das Individuum, das sich in einem Multitasking-Modus zwischen Beherrschung neuer Technologien und Anwendung neuer Kommunikationsmedien agil zeigen soll, die "digitale Nervosität" (Thomas Steinmauer, 2019) mit stabiler Ich-Identität auszugleichen? Führen Informationsüberflutung und damit verbundener Selektionsdruck nicht notwendig zu "digital nervösen Menschen" (Caroline Roth-Ebner, 2019)? Ist es nicht Aufgabe von Führungskräften, dafür zu sorgen, dass der Einzelne seine Balance wahren kann, um den erwarteten Beitrag zum Unternehmen zu leisten? Was können Führungskräfte tun, um ihre Mitarbeitenden und sich selbst im allgegenwärtigen Transformationsprozess zu unterstützen?

"Identität besteht darin, dass ich sie ändern kann", so Dirk Baecker (2015). Generell ist die Vergewisserung der Identität durch drei Dilemmata geprägt, die sich in der digitalisierten Arbeitswelt nochmals akzentuieren:

  • Zugehörigkeits-Distinktions-Dilemma: Das Bedürfnis nach Identifikation mit persönlichen Vorbildern oder bestehenden sozialen Gruppen kontrastiert mit dem Bedürfnis nach Unterscheidung von ähnlichen Menschen. In virtuellen Interaktionsräumen jedoch können Beobachtungen nicht validiert werden - Identifikation und Differenzierung bleiben fluid.
  • Konstanz-Variabilitäts-Dilemma: Die Vorstellung von Identität als zeitlich konstant steht im Widerspruch zur Notwendigkeit, Identität als Variable zu begreifen, die sich im Einklang mit den Umfeldbedingungen weiterentwickeln kann und muss. Die Vielfalt an Optionen in agilen Arbeitsumgebungen erfordert eine hoch flexible Entwicklung der eigenen Identität, da Wertepräferenzen in schneller Folge in Frage gestellt werden.
  • Selbstbild-Außenbild-Dilemma: Die eigene Wahrnehmung der Person (psychische Identität) steht häufig im Gegensatz zu den Wahrnehmungen durch andere (soziale Identität), besonders wenn sie den Kontext der jeweiligen Interaktion außer Acht lässt. Ein virtuelles Profil ist stets (bewusst oder unbewusst) inszeniert und daher prinzipiell undurchschaubar, was die Differenz von psychischer und sozialer Identität vertiefen kann.

Besonders Führungskräfte benötigen ein vertieftes Verständnis, wie sich ihr eigenes Selbstkonzept und das von Mitarbeitenden unter Transformationsbedingungen verändert oder eine Weiterentwicklung blockiert. Identität, so die These, wird eine auf Zukunft gerichtete Variable, die sich im steten Werden begreifen muss und gerade dadurch Sinn stiftet.

Als Beraterinnen und Berater überlassen wir unsere Kundinnen und Kunden nicht dem "digitalen Chaos". Wir unterstützen die bewusste Auseinandersetzung mit Selbstkonzepten, stellen Werkzeuge zur Reflexion und Neu-Findung zur Verfügung, arbeiten mit Führungskräften an ihren Mindsets und unterstützen die Selbstvermarktungskompetenz in virtuellen Räumen. Gemeinsam mit Ihnen erkunden und erschließen wir mögliche Entwicklungswege Ihrer Organisation unter disruptiven Bedingungen.

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