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28.05.2019

Ambidexterity selbst erlebt

Von einer Spin-Off-Initiative zur Digital Unit und dann zu einem Projekt – Die osb international in der Ambidexterity-Erfahrung

Bei vielen unserer Kundinnen und Kunden erleben wir derzeit die Bearbeitung einer drängenden Frage: Wie kann es uns gelingen, unser Kerngeschäft zu sichern und gleichzeitig etwas Neues - und gerne radikal Neues aufzubauen?

Die Frage ist drängend, da in der Umwelt genau dieses Neue auch gesucht und entwickelt wird. Und die Frage ist unangenehm, da mit dem Kerngeschäft häufig (noch) sehr gutes Geschäft gemacht wird, die Identität gesichert wird und sich Kunden, Mitarbeiter und Stakeholder gar nicht vorstellen können, was das Neue sein könnte. Aber das Neue muss angefangen werden, das ist klar.

Uns geht es nicht anders als unseren Kunden. Auch wir bemerken, dass sich in unserer Umwelt vieles ändert: Neue Player kommen auf den Beratungsmarkt, digitale Lösungen drängen auf einige unserer Leistungsfelder vor und unserer Kunden generieren selbst Lösungen, für die wir bislang noch gebraucht wurden. Wie können wir dem begegnen? Wie können wir neue Ideen aufnehmen und umsetzen? Wie können wir unsere Identität erhalten und uns doch ändern? Das waren die Fragen, vor denen auch wir standen.

Bereits 2016 haben wir verschiedene inhaltlich getriebene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, um unsere Beratung vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Digitalen Transformation neu zu kalibrieren. Und dann hatten wir im Frühjahr 2018 die Idee einer Spin-Off-Initiative: Lasst uns doch die vielen Ideen die wir für ganz andere Geschäftsmodelle in der Organisationsberatung haben, in ein neues und unabhängiges Business überführen - und dazu einen Wettbewerb ausschreiben. Schon die Definition des Wettbewerbs hat uns in Diskussionen geführt, die unmittelbar an unsere DNA gingen: Sind wir dann noch ein Beratungsunternehmen? Wem gehört das neue Unternehmen? Wie kann es gesteuert werden? Kann es überhaupt gesteuert werden?

Bevor wir überhaupt die Ideen ausformulieren konnten, hatten wir zunächst die Diskussion über unsere Verfasstheit. Einer unserer Kooperationspartner hat dann das Feedback gegeben, dass ihn unsere "Konzernpolitik im Kleinen" überhaupt nicht interessiert und er lieber loslegen möchte. Auch das war eine gute Erfahrung: Sich im Ecosystem zu bewegen heißt, von diesem auch Rückmeldungen zu bekommen und sich auf die Synchronisierung der unterschiedlichen Zeithorizonte wirklich einlassen zu wollen.

Dann kam der Tag des Pitches zu den unternehmerischen Ideen. Es gab acht wirklich beeindruckende Ideen, manche in der nahen Zukunft verortet, wie die digitale und virtuelle Unterstützung unserer Leadership-Programme, andere mit Blick in die noch etwas weiter entfernte Zukunft, wie die Gründung eines Labs zur Erforschung kollaborativer Führungssysteme zwischen KI und Management.

Es wurde ein sehr emotionales Treffen. Fast alle Kolleginnen und Kollegen waren anwesend und haben intensiv mitdiskutiert. Ein Kollege hat die undankbare Aufgabe übernommen, uns dabei zu moderieren und hat es durch seine Strenge geschafft, dass die Diskussion uns nicht emotional vollkommen überfordert hat. Die Gleichzeitigkeit der Auseinandersetzung über die besten inhaltlichen Ideen mit den durch möglichen Ausgründungen verbundenen firmenpolitischen Implikationen für ein neues "Wir" in der Zukunft war eine echte Herausforderung und auch ein gemeinsames Highlight. Die Auseinandersetzung hat dann auch gezeigt, dass dies nicht der richtige Weg für uns sein kann.

Wir haben uns dann nach einigen weiteren Runden dafür entschieden eine eigene Digital Unit in der osb-i ins Leben zu rufen. Und auch hier wiederholten sich die Diskussionen über Ankopplung, Steuerungsmöglichkeiten und notwendige Autonomie, aber wir waren schon geübter. Statt Emotionen gab es nun Entwürfe von Geschäftsmodellen, Sondieren von Kooperationsformen, Austarieren von Erwartungen und nach ein paar Runden die Entscheidung, jetzt einfach mal mit einem Produkt anzufangen und über alles andere später zu diskutieren. Herausgekommen ist eine digitale Initiative mit diversen Partnern und keine organisationale Unit, aber für das Ergebnis wird es keinen Unterschied machen.

Die Ergebnisse werden Sie in nächster Zeit genau hier sehen und kennenlernen können. Wir werden weiter unsere eigene Erfahrung mit der Ambidexterity machen - und dranbleiben. Denn das haben wir gelernt: Die vielen Diskussionen sind notwendig, aber manchmal muss man einfach machen.

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